Ju-52 kommt zum Flugplatzfest

Die Ju-Air im schweizerischen Dübendorf schickt eine Junkers Ju-52 zum Flugplatzfest am Samstag und Sonntag, 25. und 26. August, auf das Degerfeld. 

Dies haben die Betreiber der historischen Flugzeuge jetzt dem LSV Degerfeld zugesagt. Die Schweizer Behörden, voran das Bundesamt für Zivile Luftfahrt (BAZL), haben nach dem tragischen Unfall einer Ju-52 der Ju-Air am 4. August in den Alpen bei Flims aktuell keine grundsätzlichen Bedenken gegen den Weiterbetrieb der Oldtimer. Zwei Wochen lässt die Ju-Air nach eigener Mitteilung den Flugbetrieb ruhen, aus freien Stücken und aus Pietätsgründen. „Wir wollen unseren Leuten eine Pause gönnen, um das alles verarbeiten zu können. Sie müssen schließlich mit dem Kopf bei der Sache sein“, sagt Christian Gartmann, Pressesprecher der Ju-Air. Ab dem 17. August sollen die Maschinen dann wieder abheben, sofern sich bis dahin keine Hinweise auf technische Probleme ergeben. 

Guido Voss, Vorsitzender des LSV Degerfeld, freut sich, „dass eine Ju zu uns aufs Degerfeld kommt.“ Der “tragische Unfall“ in den Alpen ändert in seinen Augen nichts an der generellen Flugsicherheit der Maschinen und sein Vertrauen in die Ju-Air: „Dort wird sehr akribisch gearbeitet. Ihre Zuverlässigkeit und Kompetenz hat die Ju-Air schließlich über 36 Jahre hinweg bewiesen“, so Voss (45), selbst von Beruf Airline-Kapitän und Ausbilder mit 11.000 Stunden Flugerfahrung. Er will als Passagier den ersten Rundflug am 26. August von Albstadt aus miterleben. 

Zwei flugfähige alte Ju-52 stehen der Ju-Air aktuell zur Verfügung. Nach dem Verlust einer Maschine mussten einige geplante Rundflüge zunächst abgesagt werden. Davon nicht betroffen ist das Flugplatzfest des LSV Degerfeld. Im dritten Jahr in Folge ist damit eine Maschine der Ju-Air am Platz. Passagiere, die bereits vor dem 4. August einen Sitzplatz gebucht hatten, wurden vom Verein über aktuelle Entwicklungen direkt informiert. 

Rundflüge in der „Tante Ju“ sind dieses Mal ausschließlich am Sonntag möglich. Es sind noch Plätze frei. Interessenten können sich unter Telefon 07432/22031-61 und im Internet unter www.flugplatzfest.lsv-degerfeld.de informieren und anmelden. 

 

Info:

Die Ju-Air wird getragen von einem Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die legendären Ju-52 für die Nachwelt zu erhalten. Er hat die drei Maschinen, Baujahr 1939, nach der Ausmusterung der Schweizer Luftwaffe 1981 übernommen und betreibt sie seither mit ziviler Zulassung weiter. Alle rund 180 Mitarbeiter der Ju-Air arbeiten ehrenamtlich, inklusive der Piloten. Nur so sei es möglich, die wartungsintensiven Oldies in flugfähigem Zustand zu erhalten. Geflogen werden die Maschinen mit drei BMW-Sternmotoren, rund 10,5 Tonnen maximaler Abflugmasse, der markanten Wellblech-Außenhaut und rund 30 Metern Spannweite ausschließlich von speziell ausgebildeten Berufspiloten, Airline-Kapitäne und ehemalige Luftwaffen-Piloten. Seit dem Rundflugbetrieb ab 1983 wurden bislang mehr als 15.000 Passagiere befördert, bis zum 4. August ohne Zwischenfälle. Weltweit gibt es nur noch etwa ein halbes Dutzend Exemplare der Ju-52 in flugfähigem Zustand.

www.ju-air.ch

Hinweis Ju 52

Liebe Freunde des LSV Degerfeld,

liebe Besucher des Flugplatzfests,

wie Sie vielleicht schon über die Medien erfahren haben, ist am Samstag, 4. August, eine Ju-52 der Ju-Air in den Schweizer Alpen verunglückt. Der Unfall hat uns tief bestürzt. Wir trauern mit unseren Fliegerfreunden aus Dübendorf, von denen wir viele persönlich kennen, sowie den Freunden, Angehörigen und Familien um die Passagiere und die Mitglieder der Besatzung. Wir sind mit den Gedanken bei Euch!

Zur Stunde wissen wir noch nichts über die Ursachen und Hintergründe. Besucher, die einen Rundflug in der Ju-52 beim Flugplatzfest gebucht haben, werden wir baldmöglichst informieren.

Bei Fragen stehen wir Euch gerne zur Verfügung.

Mit Bitte um Verständnis.

Euer Team vom LSV Degerfeld

Der Mann der kurzen Hauptsätze und klaren Standpunkte

Manfred Birk wird 80 Jahre alt / Ehrenvorsitzender des LSV Degerfeld

Runde Sache: Manfred Birk, Ehrenvorsitzender des LSV Degerfeld, feiert am 28. Juli seinen 80. Geburtstag. Fliegerisch ist es um ihn stiller geworden, im Verein nicht. Das muss es nämlich gar nicht. „Manne“ Birk war meist ohnehin die Ruhe in Person.

18 Jahre lang Vize-Vorsitzender, zehn Jahre lang Vorsitzender – das nennt man wohl Erfahrung in Vereinsführung und Gremienarbeit. Wenn's im Ausschuss oder auf dem Vorfeld mal wieder etwas leidenschaftlicher zuging, merkte man Manfred Birk davon meist nicht viel an in der Mimik. Allenfalls, wenn er sich zwischenzeitlich die Pfeife wieder ansteckte, mag das ein Anzeichen gewesen ein, dass es auch ihm allmählich etwas zu bunt wurde. Ansonsten war er an der Spitze des Vereins das, was man eine natürliche Autorität nannte: Kurze Hauptsätze, klar im Standpunkt

Birk ist einer der Mitbegründer des heutigen LSV Degerfeld, einem Zusammenschluss aus den drei einst selbstständigen Fliegergruppen Ebingen, Bitz und Tailfingen im Jahr 1966. Diesen Geist der Gemeinschaft, die zusammen mehr erreicht als jeder für sich selbst, prägt seine Haltung bis heute. Und in seinen Grußworten in den Hauptversammlungen wird er nicht müde, diesen „Spirit“ wach zu halten.

Er selbst lernte Fliegen in einer Zeit, die nicht so komfortabel war: 1954 trat er in die damalige Fliegergruppe Ebingen ein, den ersten Schulstart absolvierte er auf einer Mü13. Anderhalb Jahre später hatte er den Luftfahrerschein Klasse eins in der Tasche. Er erwarb sich die Lizenzen für Motorsegler und Motorflug, absolvierte 1088 Segelflugstarts auf 32 verschiedenen Mustern, hat rund 4200 Streckenkilometer und zwei Leistungs-Diamanten im Flugbuch stehen. Dazu kommen rund 1600 Starts und 600 Stunden im Motorflug. Mehr als 1500 Passagieren zeigte er in dieser Zeit die Welt von oben. 2009 beendete er die aktive Fliegerei.

Von Anfang an engagierte sich Manfred Birk auch im Ehrenamt. Er war Jugendleiter (1955 bis 1960), Beisitzer von 1668 bis 1874, zwischen 1974 und 1996 mit Unterbrechung Vize-Vorsitzender und dann bis 2006 Vorsitzender. In dieser Zeit wuchsen Infrastruktur und Flugzeugpark auf dem Degerfeld stetig. Aktuell hat der Verein rund 250 Mitglieder.

Seine drei Söhne und ein Enkel sind ebenfalls im LSV engagiert. Neben der Fliegerei ist Frankreich zweite Leidenschaft von Birk. Bis heute verbringt er dort seine Urlaube, bevorzugt beim Camping.

 

Außergewöhnliches Flugerlebnis, selbst für so einen „alten Hasen“ im Geschäft: Manfred Birk (80) kurz vor dem Formationsflug mit der Kustflugstaffel „Royal Jordanian Falcons“. Foto: LSV

Neue Frequenz

Achtung!

Unsere Frequenz hat sich geändert:

NEU: 125,835 MHz

Ein See-Ungeheuer dreht seine Runden über Albstadt

Hawker Sea Fury kommt als Hauptattraktion zum Flugplatzfest auf dem Degerfeld

Vom „Heavy-Metal-Konzert“ zum Festival: Das Flugplatzfest des Luftsportvereins Degerfeld entwickelt sich mehr und mehr zum Treffen für Oldtimer und fliegende Legenden. Ein Dutzend historischer Militärmaschinen steht aktuell (Ende Juni) auf der Programmliste für das Fest am Samstag und Sonntag, 25. und 26. August. Hauptattraktion ist diesmal eine britische Hawker „Sea Fury“ FB.11, das schnellste Jagdflugzeug mit Kolbentriebwerk.

Betrieben wird die Maschine mit dem Kennzeichen F-AZXJ von Christophe Jacquard, ihren Heimatflugplatz hat die „Fury“ im französischen Dijon. Bruno Ducreux fliegt das seltene Exemplar vor. Die Maschine stammt aus dem Jahr 1949 und ist lackiert in den Farben der australischen Navy. Ihr Wright R-2800- Treibewerk leistet rund 2500 PS, der luftgekühlte Doppel-Sternmotor mit 18 Zylindern ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 740 Stundenkilometern. Das Besondere: An den Flächenenden ist eine Rauchanlage installiert, damit sich die Flugmanöver vom Boden aus besser verfolgen lassen.

Darüber hinaus sind weitere alte Vögel am Platz, die das Herz von Kennern höherschlagen lässt: die P51D „Mustang“ mit dem Namen „Lousiana Kid“ von Wilhelm Heinz, vier Exemplare der North American A-T6, eine T-28, eine Yak-11 und eine Yak-3M, ferner eine Beech Staggerwing und eine Twin-Beech.

Zu Passagierflügen kommt eine Junkers Ju-52 aus Dübendorf. Der Oldie, ehemals in Diensten der Schweizer Luftwaffe, wird am Samstagabend erwartet. Rundflüge diesmal allerdings nur am Sonntag möglich. Sitzplätze in der „Tante Ju“ können unter Telefon 07432/22031-61 reserivert werden, ferner im Internet. Ferner gibt es Mitfluggelegenheiten in einer Broussard und in einem Hubschrauber des Typs Bell-47.

Kunstflug-Displays werden geflogen auf einer Xtreme Air XA42, auf Bücker, auf einer Extra 300, auf einer Lo100 und einer ASK-21. Formationskunstflug zeigt das Cap-Ten-Team, die amtierenden Weltmeister in dieser Disziplin. Zur Dämmerung am Samstagabend zeigt das Skydance-Airshow-Team ein Kunstflug mit Pyrotechnik. Mit dabei sind außerdem das Fürstenberg-Fallschirmspringer-Team und das Trigema-Luftschiff. Die Flugvorführung auf kleinstem Raum zeigt Ralf Bauer mit seinem motorisierten Gleitschirm.

Für Fans von kurvenreichen Automobilen gibt es eine Oldtimer-Show, zu der wieder mehrere hundert Klassiker der Straße erwartet werden. Am Samstagabend steigt die „Pilot's Party“

Weitere Informationen: Beginn ist am Samstag um 13 Uhr und am Sonntag um 11 Uhr. Am Samstagabend gibt es „Pilot's Party“. Der Eintritt kostet 10 Euro und gilt für beide Tage. Anreise ist mit dem Flugzeug möglich (Slots). Anmeldung für das Oldtimertreffen und Anflüge sind ebenfalls über die Homepage möglich.

 Die „Sea Fury“ mit ihrer Rauchanlage an den Flächenenden. Foto: Xavier Meal

Sitzplätze können noch gebucht werden in einer legendären Ju-52. Foto: Air Force Center

Auch eine Broussard steht für Rundflüge bereit. Foto: Privat

Neue Pächterin auf dem Flugplatzrestaurant

Ionela Nestle ist jetzt offiziell neue Pächterin der Flugplatzgastästätte Il Delta auf dem Degerfeld.

Dies teilen Ionela Nestle und der Luftsportverein (LSV) Degerfeld als Eigentümer der Immobilie in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Der Pachtvertrag ist jetzt unterzeichnet, die Konzession der Stadt Albstadt liegt nun vor.

„Wir freuen uns, dass es einen nahtlosen Übergang gibt und unsere Flugplatzgaststätte von ausgebildetem Fachpersonal weitergeführt wird“, sagt Guido Voss, Vorsitzender des LSV. Ionela Nestle (40) aus Albstadt, ausgebildete Restaurantfachfrau, war bereits zuvor Mitarbeiterin im „Il Delta“.

Laut Ionela Nestle soll die Gaststätte als italienisches Restaurant weitergeführt werden. Sie übernimmt auch einen Teil der bisherigen Belegschaft, darunter die Köche. Zuvor hatte Mario Manzo rund 17 Jahre lang die Gaststätte als Pächter betrieben.

„Turner“ kratzen an der Wolkenbasis der Schwäbischen Alb

„Turner“ kratzen an der Wolkenbasis der Schwäbischen Alb

Lange Flugtage, tiefe Basis, flexible Teilnehmer und emotionale Momente: Der Salzmann-Cup 2018 auf dem Flugplatz Degerfeld in Albstadt hatte einiges zu bieten. In der Unlimited-Klasse holte sich Moritz Kirchberg den Sieg, im Advanced-Klassement landete Stefan Zistler Platz eins.

Wenn die Wettbewerbsfliegerei ihre besonderen Gesetze hat, so gilt das für den Segelkunstflug ganz besonders. Lange Tage, kurze Nächte, schnelle Entscheidungen – für Teilnehmer, Organisatoren und Jury kein Problem. Geflogen wird, wenn es der Himmel zulässt. Und da hatte das schwülwarme Wetter um Fronleichnam auf der Schwäbischen Alb einiges zu bieten: Gewitter und vor allem tiefe Wolkenbasis. Bei den Startern der beiden Klassen – die „Sportsmen“ gingen mangels Masse bei den „Advanced“-Klasse ins Rennen – trübte das die Stimmung nicht. Bei den Segelkunstfliegern geht es traditionell unverkrampft und familiär zu.

Das sagt allerdings nichts über den sportlichen Ehrgeiz aus, im Gegenteil. Die Startbereitschaft wurde an zwei Tagen auf 06.00 Uhr terminiert und nach Auflösung des Bodennebels gingen erste Schlepps um 07.00 Uhr raus. Die letzte Landung am Samstagabend erfolgte um 21.28 Uhr Ortszeit. Gregor Wilke, zusammen mit Martin Krämer Hauptorganisatoren von Seiten des Gastgebenden LSV Degerfeld, sind am Ende mehr als zufrieden. Beide kennen sich in der Szene gut aus, waren Mitglieder der Nationalmannschaft. „Beide Klassen sind drei Programme geflogen“, resümiert Wilke am Ende, „da wurde richtig was bewegt.“

Die insgesamt 37 Starter brachten es zusammen auf rund 230 Wertungsflüge und dazu noch etwa 40 Trainingsstarts. An einem Tag gingen 127 Schlepps raus. Teils ließ die Wolkenuntergrenze nur Ausgangshöhen von 850 statt der üblichen 1250 Meter zu. Mehrfach fiel die Entscheidung dann auf ein „Split-Programm“. Drei Figuren wurden kurzerhand gestrichen.

Für das Degerfeld war es die Premiere als Austragungsort für einen Segelkunstflug-Wettbewerb. Aus Sicht der Verantwortlichen und Gästen aus ganz Deutschland sowie der Schweiz und Österreich hat es offenbar gepasst. „Die Rückmeldungen waren äußerst positiv. Wir haben sehr freundliche Reaktionen erhalten“, so Wilke. Für die Premiere sei es „ganz große Klasse“ gewesen, die Stimmung beim Briefing, am Start und rund um die Wagenburg der Teilnehmer hat er als „sehr gut“ wahrgenommen.

Sportlich sind die Organisatoren ebenfalls mehr als zufrieden. Die Leistung bei der „kleinen DM“ sei hoch gewesen, vor allem in der Unlimited-Klasse. „Die Plätze eins bis zehn waren im Prinzip auf Nationalmannschafts-Niveau“, lobt Gregor Wilke. Dabei war der Kampf die Plätze eins und zwei eine klare Angelegenheit. Moritz Kirchberg und der zweitplatzierte Sebastian Dirlam dominierten das Feld durch alle drei Durchgänge, Rang drei sicherte sich Eberhard Holl durch konstant gute Wertungen. Noch enger ging es punktemäßig bei den Podest-Plätzen in der Advanced-Klasse zu.

Darüber hinaus ist der Salzmann-Cup des Fördervereins Segelkunstflug im BWLV auch immer ein Klassentreffen. Fünf der acht Mitglieder der Nationalmannschaft von 2001 waren da, freuen sich Wilke und Krämer. Den Sonderpreis „Salzmann des Jahres“ für herausragende Verdienste um den Segelkunstflug erhielt übrigens Eugen Schaal, sei 1989 Kunstflieger, Mitglied der Nationalmannschaft, Ex-Weltmeister und heute unter anderem als Schiedsrichter engagiert. Die Anreise hielt sich für ihn diesmal in Grenzen; er ist beruflich von Paderborn in den Raum Karlsruhe umgezogen. Besonderes emotionales Erlebnis: Martin Hofmann und Wilhelm „Salzmann“ Düerkop, beides Granden der Szene, verfolgten die Flüge an einem Wertungstag. „Das war schon toll und ein echtes Erlebnis. Wilhelm hatte am Abend Freudentränen in den Augen“, so Gregor Wilke. Für Düerkop (89) war es praktisch ein Heimspiel. Seinen Spitznamen erhielt er durch seinen Beruf als Steiger im Salzbergwerk Haigerloch-Stetten, wie das Degerfeld im Zollernalbkreis gelegen.

Darüber hinaus darf der Salzmann-Cup 2018 als echte Werbung für den Luftsport verbucht werden. Neben Fachmedien berichteten nicht nur zwei regionale Tageszeitungen mehrfach und ausführlich über den Wettbewerb, sondern auch zwei Fernseh-Sender, darunter der SWR in seinen Haupt-Abendnachrichten. Unterstützt wurde der Wettbewerb von mehreren Unternehmen im Zollernalbkreis, darunter Holzbau Maag, Ergosana und die Werkzeugfabrik Hermann Diebold.

Die Ergebnisse:

Advanced-Klasse:

  1. Platz: Stefan Zistler, FTAG Esslingen, MDM-1 Fox, 3050,38 Punkte

  2. Platz: Holger Geusen, LSV Hegenscheid, SZD-59 Acro, 2979,74 Punkte

  3. Platz: Sebastian Scholz, LSV Hayingen, MDM-1 Fox, 2975, 41 Punkte.

 

Unlimited-Klasse:

  1. Moritz Kirchberg, AeC Bad Neuheim, Swift S1, 4711,94 Punkte

  2. Sebastian Dirlam, LfV Bottrop, MDM-1 Fox, 4581,97 Punkte

  3. Eberhard Holl, FSC Mühlacker, Swift S1, 4367,96 Punkte

 

Alle Ergebnisse:

www.pilot-media.de

 

Puls unten, Nase hoch: Zwei geduldige Lehrer feiern gemeinsam ein rundes Jubiläum

Ein Doppel-Jubiläum begeht der Luftsportverein (LSV) Degerfeld: Das Segel-Schulflugzeug ASK-13 und Fluglehrer Ferdinand Karreis sind jetzt beide seit 1968 im Dienst. Das gibt’s selbst im Fliegerland Baden-Württemberg nicht alle Tage.

 

Die „13“ mit dem Kennzeichen D-9064 steht meist weit vorne in Tornähe der großen Segelflughalle. Das hat seinen Grund. Wenn Flugbetriebstag auf dem Degerfeld ist, kommt sie meistens als erstes raus und wird als letztes wieder hineingeschoben. Der Schulbetrieb ist das Rückgrat am Platz. 23.667 Starts und 6465 Flugstunden stehen aktuell in den Bordbüchern der Maschine. „Wenn Besucher in unsere Halle kommen, können sie meist gar nicht glauben, dass die Maschine schon so alt ist“, sagt Karreis, „wir pflegen unser Material halt.“

 

Mehrfach in den vergangenen 50 Jahren erhielt D-9064 schon eine Grundüberholung. Dabei wurde die Maschine komplett neu bespannt und lackiert, die Außenhaut wie das Innenleben. Rumpellandungen von Anfängern steckt die solide Konstruktion klaglos weg. „Sie ist nie kaputt gewesen, war immer komplett bruchfrei“, sagt Ferdiand Karreis. Was ihn beeindruckt: Generationen von Flugschülern, in Summe mehrere hundert, haben auf ihr die prägendsten Momente ihrer Fliegerlaufbahn erlebt: die Grundschulung und den ersten Alleinflug. „Auch innerhalb von Familien. Heute schulen die Enkel der ersten Schülergeneration auf ihr“, so der Lehrer, „das ist schon denkwürdig, oder?“

 

Bei jeweils hunderten Starts im Dienstleben von D-9064 saßen Karreis und Dieter Beck, seit schon 52 Jahren Fluglehrer am Platz, auf dem hinteren Platz des Schul-Doppelsitzers. Die Sicht durch die große Plexiglashaube sei phantastisch, schwärmen sie. Da sieht man auch was von der Landschaft. Darüber hinaus sei sie bis heute ein „Top-Schulflugzeug“. Sie verzeihe Fehler, zeige aber jederzeit direkt an, wenn was nicht passt. „Optimal, um die grundlegenden Fertigkeiten im Segelflug zu erlernen.“ Die ASK-13 verlange stets präzise Steuereingaben des Piloten. Und sie steige schön in der Thermik. Mit ihrer rot-gelben Lackierung ist die Maschine mit 16 Metern Spannweite und leicht nach vorne gepfeilten Tragflächen auch jederzeit gut auszumachen am Himmel.

 

Karreis (72) ist wie alle Fluglehrer im Verein ehrenamtlich tätig. Damals, als Student der Ingenieurwissenschaften, war er der jüngste Teilnehmer des Fluglehrer-Lehrgangs. 1968 tobten die Studenten-Unruhen. „Meine Kommilitonen gingen auf die Straße, ich auf den Flugplatz“, so Karreis, „halleluhjah, das waren vielleicht Zeiten.“ Die Fluglehrerausbildung veränderte auch sein Berufsleben. Er habe festgestellt, dass er mit Menschen gut umgehen und ihnen was beibringen könne. Deshalb absolvierte er noch ein komplettes Studium und sattelte um auf Lehrer. Seit ein paar Jahren ist er in Pension. Dieses und nächstes Jahr noch, dann will er auch seine Fluglehrer-Linzenz nicht mehr verlängern. „Ich will nicht einer der Kalk-Eimer werden, denen man durch die Blume sagt, es sei vielleicht an der Zeit, aufzuhören“, so Karreis, gebürtiger Rottweiler. Wie viele Schüler durch seine Hände gegangen sind, kann er auf Anhieb nicht sagen. Viele jedenfalls.

 

Selbst nach mehr als fünf Jahrzehnten hat für ihn der motorlose Flug nichts von seinem Reiz verloren. Er räumt bis heute regelmäßig Preise für die besten Flüge des Jahres im Verein ab. Die Erfahrung macht's, und auch die Tatsache, dass seine Frau Moni das Leben als Camper auf dem Flugplatz teilt. Segelflug sei anspruchsvoll, vereine Wissen in Mathematik, Meteorolgie, Technik und mehr in sich. „Man muss sich auf das Wetter einstellen können“, so Karreis. Wenn dann auf einem Streckenflug über mehrere hundert Kilometer plötzlich der Main oder der Pfälzer Wald unter den Tragflächen durchhuschen, sage man sich: „Hoppla, wow.“ Was den Schüler vor Rätsel stellt, macht für ihn den Reiz aus: Jeder Flug sei anders, jedes Mal. Die optischen Eindrücke, der Wandel der Vegetation im Lauf der Jahreszeiten, die Aufwinde, alles. „Das ist toll und spannend“. Und wenn die Plexiglas-Haube des Cockpits verriegelt ist und sich das Schleppseil zum Start strafft, ist Karreis zwar geistig hellwach, aber der Blutdruck geht runter. Er hat es mal gemessen: „Puls ganz unten. Von jetzt auf gleich.“